Mikrovaskuläre Dekompression des Trigeminusnervs

Entlastung des Nervs bei Erhalt seiner Funktion

Die mikrovaskuläre Dekompression des Trigeminusnervs ist ein neurochirurgischer Eingriff zur Behandlung der Trigeminusneuralgie, wenn die Schmerzen durch einen Kontakt zwischen dem Trigeminusnerv und einem Blutgefäss verursacht werden und die medikamentöse Therapie keine ausreichende Symptomkontrolle mehr ermöglicht oder erhebliche Nebenwirkungen verursacht.

Im Gegensatz zu Verfahren, bei denen der Trigeminusnerv gezielt geschädigt wird, um die Schmerzübertragung zu unterbrechen, verfolgt die mikrovaskuläre Dekompression das Ziel, die Ursache des neurovaskulären Konflikts direkt zu behandeln und gleichzeitig die Integrität und Funktion des Nervs zu erhalten.

Weitere Informationen zur Erkrankung, zu den Symptomen, zur Diagnostik und zu den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf Unserer Seite zur Trigeminusneuralgie.

Prinzip der mikrovaskulären Dekompression

Bei vielen Patienten mit klassischer Trigeminusneuralgie steht eine kleine Arterie – häufig eine Kleinhirnarterie – oder seltener eine Vene in Kontakt mit dem Trigeminusnerv in der Nähe seines Austritts aus dem Hirnstamm.

Die wiederholten Pulsationen des Gefässes können die Eintrittszone des Nervs beeinträchtigen und zur Entstehung der typischen elektrisierenden Gesichtsschmerzen beitragen.

Ziel des Eingriffs ist es, das für den Konflikt verantwortliche Gefäss präzise zu identifizieren, vorsichtig vom Trigeminusnerv zu lösen und dauerhaft vom Nerv fernzuhalten, ohne die Nervenfasern direkt zu verletzen.

Der Trigeminusnerv wird dabei weder durchtrennt noch absichtlich geschädigt.

 

Ablauf des Eingriffs

Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose. Der Patient wird so gelagert, dass ein sicherer Zugang zum hinteren Schädelbereich möglich ist.

Retrosigmoidaler Zugang

Hinter dem Ohr auf der von der Neuralgie betroffenen Seite wird ein kleiner Hautschnitt durchgeführt.

Über eine kleine retrosigmoidale Knochenöffnung erhält der Neurochirurg Zugang zur hinteren Schädelgrube.

Nach Eröffnung der Dura mater wird schrittweise eine kleine Menge Liquor abgelassen. Dadurch entspannt sich das Kleinhirn spontan, sodass der Trigeminusnerv erreicht werden kann, wobei eine Retraktion des Kleinhirns möglichst vermieden wird.

Mikrochirurgische Darstellung des Trigeminusnervs

Der Eingriff wird unter einem Operationsmikroskop mit mikrochirurgischer Technik durchgeführt.

Entlang der natürlichen anatomischen Räume zwischen Kleinhirn und Hirnstamm wird der Trigeminusnerv identifiziert und sein Verlauf sorgfältig untersucht, insbesondere im Bereich der Root Entry Zone, also jener Region, in der der Nerv aus dem Hirnstamm austritt.

Dieser Schritt ist entscheidend, da der Konflikt durch eine Arterie, eine Vene oder in manchen Fällen durch mehrere Gefässstrukturen gleichzeitig verursacht werden kann.

Identifikation des neurovaskulären Konflikts

Nach Identifikation des verantwortlichen Gefässes wird dieses vorsichtig vom Nerv getrennt.

Besonderes Augenmerk gilt der Untersuchung des gesamten zister­nalen Verlaufs des Trigeminusnervs, damit nicht nur der erste sichtbare Kontaktpunkt beurteilt wird.

Ziel ist eine vollständige Dekompression des Nervs bei gleichzeitiger Schonung der umliegenden neurologischen und vaskulären Strukturen.

Dekompression des Nervs

Abhängig von der Anatomie des Konflikts können unterschiedliche mikrochirurgische Techniken eingesetzt werden.

Eine Möglichkeit besteht in der Interposition eines kleinen biokompatiblen Materials zwischen Gefäss und Nerv, sodass die Gefässpulsation nicht mehr auf den Trigeminusnerv übertragen wird.

Wenn die anatomischen Verhältnisse es erlauben, kann das Gefäss auch mobilisiert und transponiert werden. Dabei wird es vom Nerv wegverlagert und in einer Position fixiert, in der der Konflikt dauerhaft beseitigt ist.

Die Technik wird während des Eingriffs individuell an die Anatomie des Patienten und die Art des festgestellten neurovaskulären Konflikts angepasst.

Präzisionschirurgie

Die mikrovaskuläre Dekompression erfolgt in einer anatomisch besonders empfindlichen Region, in der sich Hirnstamm, Kleinhirn, mehrere Hirnnerven und wichtige Gefässstrukturen befinden.

Daher verwenden Wir eine mikrochirurgische Technik mit dem Ziel einer maximalen Schonung der neurologischen und vaskulären Strukturen.

Zusätzlich kann ein intraoperatives neurophysiologisches Monitoring eingesetzt werden, insbesondere zur Überwachung der Hörbahnen und, wenn angezeigt, weiterer beteiligter Hirnnerven. Dadurch kann deren Funktion während der verschiedenen Operationsschritte kontrolliert werden.

Abschluss des Eingriffs

Nachdem die vollständige Dekompression des Trigeminusnervs und das Fehlen weiterer relevanter Gefässkonflikte überprüft wurden, wird die Dura mater sorgfältig verschlossen.

Besonderes Augenmerk wird auf einen liquordichten Verschluss gelegt, um das Risiko eines Austritts von Liquor cerebrospinalis zu reduzieren.

Anschliessend wird die Knochenöffnung rekonstruiert und die Operationswunde verschlossen.

 

Nach dem Eingriff

Bei vielen Patienten verschwinden die trigeminalen Schmerzen unmittelbar nach der Operation. Bei anderen kann sich die Besserung im Verlauf der folgenden Tage schrittweise einstellen.

Während des stationären Aufenthalts werden insbesondere das mögliche Fortbestehen der Schmerzattacken, die Gesichtssensibilität, die Funktion des Gesichtsnervs, das Hörvermögen, das Gleichgewicht sowie die korrekte Wundheilung überwacht.

Die zuvor zur Behandlung der Neuralgie eingesetzten Medikamente können entsprechend der klinischen Entwicklung schrittweise reduziert werden.

Die Dauer des Spitalaufenthalts richtet sich nach dem Allgemeinzustand des Patienten und dem postoperativen Verlauf.

Welche Vorteile bietet die mikrovaskuläre Dekompression?

Wenn ein neurovaskulärer Konflikt für die Neuralgie verantwortlich ist, handelt es sich bei der mikrovaskulären Dekompression um einen chirurgischen Eingriff, der direkt am anatomischen Mechanismus der Schmerzentstehung ansetzt.

Der wichtigste Vorteil besteht darin, eine langfristige Kontrolle der Neuralgie zu ermöglichen, ohne den Trigeminusnerv absichtlich zu verletzen.

Das Verfahren wird daher insbesondere bei Patienten in gutem Allgemeinzustand erwogen, wenn die klinische Vorgeschichte und die MRT-Bilder mit einem neurovaskulären Konflikt vereinbar sind.

 

Risiken des Eingriffs

Wie jeder intrakranielle neurochirurgische Eingriff ist auch die mikrovaskuläre Dekompression mit bestimmten Risiken verbunden.

Mögliche Komplikationen sind vorübergehende oder dauerhafte Hörstörungen, Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen, Veränderungen der Gesichtssensibilität, eine Funktionsstörung des Gesichtsnervs, Liquorverlust, Infektionen, Blutungen, vaskuläre oder neurologische Komplikationen sowie in einzelnen Fällen eine Persistenz oder ein Wiederauftreten der Neuralgie.

Schwere neurologische Komplikationen sind selten, die individuellen Risiken müssen jedoch vor der Operation ausführlich mit dem Patienten besprochen werden.

Unsere Erfahrung

Die mikrovaskuläre Dekompression des Trigeminusnervs gehört zum Bereich der kranialen Neurochirurgie Unseres Teams.

Wir legen besonderen Wert auf eine sorgfältige Auswahl der Operationsindikation anhand einer präzisen Analyse der Krankengeschichte, der Schmerzcharakteristika und der MRT-Bilder.

Während der Operation achten Wir besonders auf die vollständige Identifikation des neurovaskulären Konflikts, eine wirksame Dekompression des Trigeminusnervs und die bestmögliche Schonung der umliegenden neurologischen und vaskulären Strukturen.

Ziel ist eine wirksame und langfristige Behandlung der Neuralgie bei möglichst vollständigem Erhalt der Funktion des Trigeminusnervs.

 

Operation in Lausanne und Kontrollen im Tessin

Die mikrovaskuläre Dekompression des Trigeminusnervs wird an der Clinique de La Source in Lausanne durchgeführt. Dort stehen Uns die für die mikrochirurgische kraniale Neurochirurgie erforderliche Infrastruktur und Technologie zur Verfügung, insbesondere das Operationsmikroskop und das intraoperative neurophysiologische Monitoring.

Nach dem Spitalaustritt können die Patienten für die postoperativen Kontrollen und die langfristige Nachsorge direkt von Unserem Team im Tessin betreut werden.

Dadurch lässt sich eine Operation in einem Zentrum mit der erforderlichen neurochirurgischen Technologie mit einer wohnortnahen postoperativen Betreuung verbinden und eine kontinuierliche Versorgung von der präoperativen Beurteilung über den chirurgischen Eingriff bis zu den späteren Kontrollen gewährleisten.

 

 

Möchten Sie eine fachärztliche Beurteilung?

Wir bieten eine individuelle neurochirurgische Beurteilung mit sorgfältiger Analyse der Beschwerden und der radiologischen Unterlagen an.

 

 

Wenn Sie eine Abklärung benötigen und in unserem Zentrum behandelt werden möchten, können Sie uns über das Online-Formular oder per E-Mail kontaktieren.