Ventrikuloperitonealer Shunt (VP-Shunt)
Chirurgische Behandlung des Hydrozephalus durch Ableitung des Liquor cerebrospinalis
Ein ventrikuloperitonealer Shunt, üblicherweise als VP-Shunt bezeichnet, ist ein neurochirurgisches Verfahren zur Behandlung bestimmter Formen des Hydrozephalus, bei denen sich eine übermässige Menge an Liquor cerebrospinalis innerhalb der Hirnventrikel ansammelt.
Ziel des Eingriffs ist es, ein korrektes Gleichgewicht der Liquorzirkulation wiederherzustellen, indem überschüssiger Liquor aus den Hirnventrikeln in die Bauchhöhle abgeleitet wird, wo er vom Körper wieder resorbiert werden kann.
Weitere Informationen zur Erkrankung, zu den verschiedenen Formen des Hydrozephalus und zu deren diagnostischer Abklärung finden Sie auf unserer Seite zum Thema Hydrozephalus.
Wann wird ein ventrikuloperitonealer Shunt empfohlen?
Ein ventrikuloperitonealer Shunt wird empfohlen, wenn der Hydrozephalus durch eine Störung der Liquorzirkulation oder insbesondere der Liquorresorption verursacht wird und die Ursache der Abflussstörung nicht direkt beseitigt werden kann.
Eine der häufigsten Indikationen bei Erwachsenen ist der Normaldruckhydrozephalus, der vor allem ältere Menschen betrifft und sich äussern kann durch:
- Gang- und Gleichgewichtsstörungen;
- Kognitive Verlangsamung;
- Störungen der Blasenfunktion.
Vor der Empfehlung zu einer Operation wird die Diagnose anhand der Symptome, der neurologischen Untersuchung und der bildgebenden Diagnostik, insbesondere der MRT- oder CT-Untersuchung des Gehirns, gestellt.
Bei manchen Patienten können zusätzliche diagnostische Untersuchungen, beispielsweise eine entlastende Lumbalpunktion, notwendig sein, um das mögliche Ansprechen auf eine Liquorableitung zu beurteilen.
Wie funktioniert ein ventrikuloperitonealer Shunt?
Der Shunt besteht aus einem vollständig unter der Haut liegenden System und ist nach Abheilung der Hautschnitte von aussen nicht sichtbar.
Das System besteht aus:
- Einem Ventrikelkatheter, der in einen der Hirnventrikel eingeführt wird;
- Einem Ventil, das in der Regel unter der Haut hinter dem Ohr positioniert wird;
- Einem distalen Katheter, der unter der Haut entlang des Halses und des Brustkorbs bis in die Bauchhöhle geführt wird.
Der überschüssige Liquor wird auf diese Weise vom Gehirn in die Bauchhöhle abgeleitet, wo er schrittweise resorbiert wird.
Das Ventil ermöglicht es, die Menge des abgeleiteten Liquors zu kontrollieren, um eine unzureichende oder übermässige Drainage soweit wie möglich zu vermeiden.
Die Operationstechnik
Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt.
Über einen kleinen Hautschnitt an der Kopfhaut wird eine kleine Öffnung im Schädel angelegt, durch die der Ventrikelkatheter in das Ventrikelsystem des Gehirns eingeführt wird.
Anschliessend wird der Katheter mit dem unter der Haut in der Region hinter dem Ohr liegenden Ventil verbunden.
Mit einem speziellen Instrument wird der distale Katheter vollständig unter der Haut vom Kopf entlang des Halses und des Brustkorbs bis zum Bauch geführt.
Über einen zweiten kleinen Hautschnitt am Bauch wird das Katheterende schliesslich in die Peritonealhöhle eingebracht, wo der Liquor vom Körper auf natürliche Weise resorbiert werden kann.
Vor dem Verschluss der Hautschnitte wird die korrekte Funktion des gesamten Systems überprüft.
Nach der Operation
Nach dem Eingriff erfolgt eine neurologische und klinische Überwachung des Patienten.
Kontrolliert werden die korrekte Funktion des Shunts, die Operationswunden sowie die Entwicklung der Symptome, die zur Diagnose des Hydrozephalus geführt haben.
Die klinische Besserung kann schrittweise erfolgen. Bei Patienten mit Normaldruckhydrozephalus gehört die Verbesserung des Gangbildes häufig zu den ersten wahrnehmbaren Veränderungen, während sich kognitive oder urologische Symptome langsamer entwickeln können.
Der Shunt ist für eine langfristige Implantation vorgesehen und erfordert daher eine neurochirurgische Verlaufskontrolle über längere Zeit.
Risiken und mögliche Komplikationen
Wie jeder neurochirurgische Eingriff ist auch die Implantation eines ventrikuloperitonealen Shunts mit bestimmten Risiken verbunden.
Komplikationen sind insgesamt selten, können jedoch umfassen:
- Intrakranielle Blutungen;
- Infektionen des Shunts oder der Operationswunden;
- Wundheilungsstörungen;
- Thrombosen oder Embolien;
- Eine übermässige Liquorableitung mit möglicher Bildung eines Subduralhämatoms;
- Eine unzureichende Drainage oder ein Fortbestehen des Hydrozephalus;
- Eine Verstopfung, Diskonnektion oder Fehlfunktion des Shunts;
- Die Notwendigkeit einer späteren teilweisen oder vollständigen Revision beziehungsweise eines Austauschs des Systems.
Das individuelle Risiko wird vor dem Eingriff anhand des Alters, des Allgemeinzustands des Patienten und der Ursache des Hydrozephalus beurteilt.
Unsere Erfahrung
Wir verfügen über umfangreiche Erfahrung in der Diagnostik und chirurgischen Behandlung des Hydrozephalus, einschliesslich der Indikationsstellung und Implantation ventrikuloperitonealer Shunts.
Die korrekte Auswahl der Patienten ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung, insbesondere beim Normaldruckhydrozephalus. Deshalb legen wir grossen Wert auf die Übereinstimmung zwischen klinischem Bild, zerebraler Bildgebung und den Ergebnissen eventuell notwendiger zusätzlicher diagnostischer Untersuchungen, bevor die Operationsindikation gestellt wird.
Ziel ist nicht lediglich eine Verkleinerung der Ventrikel, sondern eine konkrete klinische Verbesserung der Lebensqualität des Patienten.
Operation in Lausanne und Kontrollen im Tessin
Die Implantation ventrikuloperitonealer Shunts wird an der Clinique de La Source in Lausanne durchgeführt, wo wir unsere Tätigkeit im Bereich der kraniellen Neurochirurgie ausüben.
Nach der Operation können die postoperativen Kontrollen und die neurochirurgische Nachsorge auch in unserer Praxis im Tessin erfolgen, sodass Patienten aus dem Tessin von einer kontinuierlichen Betreuung in Wohnortnähe profitieren können.
Auf diese Weise bleibt der gesamte Behandlungsweg — von der Diagnosestellung und Operationsindikation bis zu den langfristigen Verlaufskontrollen — in den Händen desselben neurochirurgischen Teams.
Möchten Sie eine fachärztliche Beurteilung?
Wir bieten eine individuelle neurochirurgische Beurteilung mit sorgfältiger Analyse der Beschwerden und der radiologischen Unterlagen an.
Wenn Sie eine Abklärung benötigen und in unserem Zentrum behandelt werden möchten, können Sie uns über das Online-Formular oder per E-Mail kontaktieren.