Operative Entfernung von Hirntumoren
Mikrochirurgie intrakranieller Läsionen
Die operative Entfernung eines Hirntumors gehört zu den wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten intrakranieller Läsionen, wenn aufgrund der Lokalisation, der radiologischen Eigenschaften und des klinischen Zustands des Patienten ein chirurgischer Eingriff angezeigt ist.
Die Ziele der Operation sind vielfältig: eine präzise histologische Diagnose zu erhalten, das Tumorvolumen zu reduzieren, die durch die Raumforderung verursachte Kompression des Gehirns zu vermindern und, wenn möglich, eine vollständige Entfernung der Läsion zu erreichen, wobei die Hirnstrukturen und neurologischen Funktionen bestmöglich geschont werden.
Die Operationsstrategie wird individuell anhand der Lokalisation und der Eigenschaften des Tumors festgelegt und vor dem Eingriff ausführlich mit dem Patienten besprochen.
Planung des Eingriffs
Vor der Operation werden die MRT-Aufnahmen und, falls erforderlich, weitere neuroradiologische Untersuchungen detailliert analysiert.
Die Planung ermöglicht es, den direktesten und gleichzeitig möglichst wenig invasiven Zugang zur Läsion auszuwählen und die Hirnstrukturen, Gefässe und Nerven zu identifizieren, die während des Eingriffs geschont werden müssen.
Je nach Lage und Art des Tumors können verschiedene technische Hilfsmittel eingesetzt werden:
- Neuronavigation, zur präzisen Lokalisation der Läsion und Planung des chirurgischen Zugangs;
- Intraoperatives neurophysiologisches Monitoring, insbesondere bei Läsionen in der Nähe funktionell wichtiger Hirnareale;
- 5-ALA-Fluoreszenz, bei bestimmten infiltrativ wachsenden Tumoren zur besseren intraoperativen Identifikation von Tumorgewebe;
- Intraoperativer Ultraschall, zur Kontrolle der Lokalisation der Läsion und des Resektionsausmasses während der Operation.
Wie wird die Operation durchgeführt?
Der Eingriff wird in der Regel unter Vollnarkose durchgeführt.
Der Kopf wird in einer speziellen Halterung fixiert, die während des gesamten Eingriffs eine äusserst präzise Positionierung ermöglicht.
Nach dem Hautschnitt wird eine Kraniotomie durchgeführt, das heisst eine vorübergehende Öffnung des Schädelknochens über der zu erreichenden Region.
Grösse und Position der Kraniotomie werden individuell angepasst, um den notwendigen Zugang mit möglichst geringer Traumatisierung zu ermöglichen.
Anschliessend wird der Eingriff in mikrochirurgischer Technik unter Verwendung des Operationsmikroskops durchgeführt. Dadurch kann der Tumor mit hoher Präzision von den umgebenden Nerven- und Gefässstrukturen unterschieden werden. Die Neuronavigation ermöglicht eine präzise Lokalisation der Läsion. In ausgewählten Fällen ist das intraoperative Neuromonitoring wichtig, um die Sicherheit während des gesamten Eingriffs zu erhöhen.
Entfernung des Tumors unter Schonung des Gehirns
Das grundlegende Prinzip der modernen Hirntumorchirurgie besteht darin, eine maximal sichere Resektion zu erreichen.
Dies bedeutet, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne Hirnregionen zu beeinträchtigen, die für Funktionen wie Bewegung, Sensibilität, Sprache, Sprachverständnis oder andere höhere neurologische Funktionen unverzichtbar sind.
Aus diesem Grund kann das endgültige Ausmass der Tumorentfernung manchmal erst während der Operation festgelegt werden.
In manchen Fällen kann eine vollständige Resektion erreicht werden. Wenn jedoch ein Teil der Läsion an besonders wichtigen neurologischen Strukturen anhaftet oder diese infiltriert, kann es sinnvoller sein, bewusst einen kleinen Tumorrest zurückzulassen, anstatt das Risiko eines bleibenden neurologischen Defizits zu erhöhen.
Die neurologische Sicherheit des Patienten hat daher Vorrang vor dem alleinigen Ziel einer radiologisch vollständigen Resektion.
Verschluss der Kraniotomie
Am Ende des Eingriffs wird die Blutstillung sorgfältig kontrolliert und die Dura mater verschlossen.
Der zuvor entfernte Knochendeckel wird anschliessend wieder in seine ursprüngliche Position eingesetzt und mit kleinen Titanplatten und Titanschrauben fixiert, wodurch unmittelbar eine stabile Rekonstruktion der Schädelkalotte erreicht wird.
Das Titanmaterial kann normalerweise dauerhaft im Körper verbleiben und beeinträchtigt spätere MRT-Untersuchungen nicht.
Nach der Operation
Nach Abschluss des Eingriffs erfolgt eine engmaschige neurologische Überwachung.
Je nach Art des Eingriffs und klinischem Zustand können die ersten Stunden auf einer Intensivstation oder einer Überwachungsstation verbracht werden.
Regelmässig kontrolliert werden:
- Bewusstseinszustand;
- Kraft und Sensibilität der Extremitäten;
- Sprache und Sprachverständnis;
- Mögliche Sehstörungen oder andere neurologische Defizite;
- Schmerzen, Übelkeit und der Zustand der Operationswunde.
Die Mobilisation wird schrittweise begonnen, sobald der klinische Zustand dies erlaubt.
Postoperative Magnetresonanztomographie
Nach dem Eingriff wird normalerweise eine Kontroll-MRT des Gehirns durchgeführt.
Diese Untersuchung ermöglicht es, das Ausmass der Tumorentfernung zu beurteilen, das Operationsergebnis zu kontrollieren und eine neue Referenzuntersuchung für die weiteren Verlaufskontrollen zu erhalten.
Untersuchung des Tumors
Das während der Operation entfernte Gewebe wird zur anatomopathologischen Untersuchung eingesandt.
Dadurch können die Art des Tumors, sein biologischer Grad und seine molekularen Eigenschaften präzise bestimmt werden. Diese Faktoren sind entscheidend für die Prognose und die Beurteilung, ob weitere Behandlungen erforderlich sind.
Das endgültige Ergebnis liegt in der Regel nach einigen Tagen vor.
Auf Grundlage der histologischen Untersuchung wird anschliessend die weitere Behandlungsstrategie festgelegt. Diese kann aus einer einfachen radiologischen Verlaufskontrolle oder, je nach Diagnose, aus Strahlentherapie, Chemotherapie oder anderen onkologischen Behandlungen bestehen.
Welche Risiken bestehen?
Wie jeder intrakranielle neurochirurgische Eingriff ist auch die Entfernung eines Hirntumors mit bestimmten Risiken verbunden.
Art und Ausmass des Risikos hängen insbesondere von Lokalisation, Grösse und Art der Läsion sowie von der Beziehung des Tumors zu funktionell wichtigen Hirnregionen, Hirnnerven und Blutgefässen ab.
Zu den möglichen Komplikationen gehören:
- Intrakranielle Blutung;
- Infektion oder Wundheilungsstörungen;
- Liquorfistel;
- Thrombose oder Embolie;
- Epileptische Anfälle;
- Hydrozephalus;
- Motorische oder sensible Defizite;
- Sprach- oder Sprachverständnisstörungen;
- Kognitive oder Verhaltensveränderungen;
- In ausgewählten Fällen die Notwendigkeit eines weiteren chirurgischen Eingriffs.
Das spezifische neurologische Risiko wird vor der Operation individuell anhand der Lage der Läsion besprochen.
Unsere Erfahrung
Die Chirurgie intrakranieller Tumoren erfordert eine spezifische Ausbildung in der mikrochirurgischen kraniellen Neurochirurgie sowie besondere Erfahrung in der Behandlung von Läsionen in der Nähe empfindlicher neurologischer und vaskulärer Strukturen.
PD Dr. Thomas Robert verfügt über langjährige Erfahrung in der intrakraniellen Chirurgie und Mikrochirurgie, insbesondere in der Chirurgie von Hirntumoren und komplexen Läsionen der Schädelbasis.
Die therapeutische Strategie wird individuell festgelegt. Dabei wird nicht nur die technische Möglichkeit einer Tumorentfernung berücksichtigt, sondern vor allem das Verhältnis zwischen onkologischem Nutzen und neurologischer Sicherheit.
Wo wird die Operation durchgeführt?
Operationen zur Entfernung intrakranieller Tumoren werden an der Clinique de La Source in Lausanne durchgeführt, wo die für die kranielle Neurochirurgie und die perioperative Überwachung dieser Patienten erforderliche Infrastruktur zur Verfügung steht.
Die Operation, der stationäre Aufenthalt und die erste Überwachungsphase werden daher in Lausanne organisiert.
Ein Behandlungspfad zwischen Lausanne und dem Tessin
Für Patienten aus dem Tessin endet die Betreuung nicht mit der Entlassung aus der Klinik.
Nach Abschluss der ersten postoperativen Phase können die weiteren neurochirurgischen Kontrollen auch im Tessin durchgeführt werden, wodurch wiederholte Reisen nach Lausanne nach Möglichkeit vermieden werden können.
Die Wundkontrolle, die neurologische Untersuchung, die Besprechung des anatomopathologischen Ergebnisses und die Planung der weiteren bildgebenden Kontrollen können somit in einen kontinuierlichen Behandlungspfad zwischen Lausanne und dem Tessin integriert werden.
Falls zusätzliche onkologische Behandlungen notwendig sind, wird die Nachsorge mit den an der Behandlung beteiligten Fachärzten koordiniert.
Möchten Sie eine fachärztliche Beurteilung?
Wir bieten eine individuelle neurochirurgische Beurteilung mit sorgfältiger Analyse der Beschwerden und der radiologischen Unterlagen an.
Wenn Sie eine Abklärung benötigen und in unserem Zentrum behandelt werden möchten, können Sie uns über das Online-Formular oder per E-Mail kontaktieren.